„Vieles in Schule ist
verwirklichbar“

Die Innovationskraft vieler Schulen ist längst nicht ausgeschöpft. Ein Gespräch mit Matthias Wagner-Uhl, Bildungsoptimist, Schulleiter und Vorsitzender des Vereins für Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg e.V.

Was ist für Sie am Innovationscamp Bildung besonders spannend?

Letztlich gibt es kaum Gelegenheiten, bei denen Menschen aus verschiedenen Gruppierungen unserer Gesellschaft bunt zusammentreffen. Bei uns an der Gemeinschaftsschule ist das gang und gäbe, doch viele andere bewegen sich immer in denselben Kreisen. In der digitalen Welt spricht man von Filterblasen, doch quasi geschlossene Lebenszirkel kennt die Menschheit schon lange. Es ist immer mehr oder weniger vordefiniert, wer mit wem über was spricht. Bei dem Barcamp ist das anders: Es steht jedem mit Interesse an dem Themenfeld Bildung offen – das finde ich genial.

Welche mögliche Session würden Sie sich wünschen?

Mich treibt schon sehr lange die Frage um, wie wir es schaffen, die Entwicklung der Bildungslandschaft in Baden-Württemberg vom alltäglichen Politikbetrieb mit seinen Strömungen, Machtkonstellationen und Partikularinteressen abzukoppeln. Da habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass ich hier irgendwann, irgendwo Antworten finde.
Und wen würden Sie bei dem Barcamp gerne treffen? Ich freue mich auf alle, denen die Zukunft Baden-Württembergs und unserer Kinder am Herzen liegt. Klar ist es schön, als sehr engagierter Mensch anderen zu begegnen, die ebenfalls für ein Thema brennen. Und selbst wenn das Gegenüber ganz anders tickt, kann eine solche Begegnung überaus bereichernd sein.

Wie steht es denn aus Ihrer Sicht mit Innovationen im Kontext Schule?

Ach, das ist heikel. Ich habe das Gefühl, vieles in Schule ist verwirklichbar, wenn die Akteure vor Ort es nur wollen. Und wir haben viele mutige Pädagoginnen und Pädagogen im ganzen Land, das zeigen uns die tollen Schulen, die es gibt. Aber viele dieser Menschen haben Angst, ihre
Innovationskraft wirklich auszuleben. Sie werden durch die Systemgrenzen brutal eingeschränkt: Das gilt ebenso für die Verwaltung wie auch für die Eltern. Da muss man schon ehrlich sein: Gerade die begehren bei jeder Abweichung sofort auf. Zugleich fordern sie pauschal eine Zukunftsorientierung des Systems Schule. Ohne diese gesellschaftliche
Normierung beispielsweise durch Abschlussprüfungen oder Übergangsszenarien wären viele unserer Schulen noch viel innovativer unterwegs!

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